Theater an der Sihl, Zürich ZH

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Kinder- und Jugendtheater mit festem Ensemble und eigener Spielstätte

Das T. ging 1979 aus dem von →Felix Rellstab, dem Leiter der →Schauspiel-Akademie Zürich, initiierten Projekt "Theater im Schulhaus" hervor. Absolventen der Abteilungen Schauspiel und Theaterpädagogik zeigten in Schulen Kindertheaterproduktionen verbunden mit Animation (zuerst in fünften, ab 1982 auch in zweiten Klassen). Aus dieser Gruppe, die sich aus häufig wechselnden Mitgliedern zusammensetzte, entstand 1985 das Kinder- und Jugendtheater Zürich mit einem fest angestellten fünfköpfigen Ensemble. Zu diesem gehörten – neben den auch als Darsteller wirkenden Leitungspersönlichkeiten →Henrique Köng und →Orsolina Lehner Bundi – drei Schauspielerinnen und Schauspieler. Der Name des Theaters wechselte mehrmals es wurde auch "Kjtz", ab 1989 "Kitz – Junges Theater Zürich" genannt. Organisiert war das Kjtz als Verein, den Rellstab präsidierte. Schon 1987 wurde der Trägerverein wieder aufgelöst und das Kjtz versuchsweise in die Schauspiel-Akademie eingegliedert. Diese wurde 1990 definitiv zum Rechtsträger des Kitz; künstlerisch blieb es jedoch autonom. Geleitet wurde es ab 1987 von Rellstab und Köng, ab 1991 war Köng alleiniger Leiter. 1996 übernahm Marcelo Diaz die Leitung der nun Junges Theater Zürich genannten Institution. In den Anfangsjahren spielte das Kinder- und Jugendtheater ausschliesslich in Schulen der Stadt und des Kantons Zürich, ab 1986 gab es in unregelmässigen Abständen auch öffentliche Vorstellungen. Als Probe- und Spielstätte wurden teils dieselben Räumlichkeiten, welche die Schauspiel-Akademie bespielte, benutzt: Bis 1989 zeigte das Kinder- und Jugendtheater seine Produktionen im Depot Tiefenbrunnen, dann im Depot Hardturm (rund 200 Plätze), ab 1995 in den umgebauten ehemaligen Militärstallungen an der Gessnerallee. Daneben wurden Gastspiele in der Schweiz und im Ausland gegeben. Anfangs der neunziger Jahre zeigte das Kitz zirka 200 Vorstellungen pro Saison, rund die Hälfte davon für Schulen. Von den fünf Produktionen des Repertoires wurden jährlich zwei durch Neuproduktionen ersetzt. 1996/97 inszenierte das Junge Theater Zürich vier neue Stücke, neben den Schulproduktionen wurde ein regelmässiger öffentlicher Spielbetrieb an den Wochenenden eingeführt. Mit der Eingliederung der Schauspiel-Akademie in die neu geschaffene →Hochschule Musik und Theater im Jahr 2000 wurde die organisatorische Trennung von Schule und Theater aufgehoben; das Junge Theater Zürich wurde zum Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsort der Theaterhochschule, behielt aber weiterhin eine eigene künstlerische Leitung. Anstelle der bisher von der Schauspiel-Akademie und dem Jungen Theater Zürich weit gehend unabhängig produzierten Inszenierungen und bespielten Räumlichkeiten sind die verschiedenen Produktionen und Spielstätten (Gessnerallee 9, 11, 13) nun Teile eines gemeinsamen Theaterbetriebs. Der neue Name "Theater an der Sihl" dient der Verdeutlichung dieser konzeptionellen Änderung. Neben den fest angestellten Theaterschaffenden des T. (darunter nur drei Schauspielerinnen und Schauspieler) werden die Studierenden der Hochschule in die Theaterarbeit einbezogen. 2002/03 entstanden einschliesslich der Diplominszenierungen der Schauspielschule rund fünfzehn Neuproduktionen, etwa 250 Vorstellungen wurden gegeben. 2003 wurde Diaz von →Jean Grädel als künstlerischem Leiter des T. abgelöst. Nachdem das Kinder- und Jugendtheater zu Beginn ausschliesslich Stücke für Kinder inszeniert hatte, entstand 1986 mit "Tschingg, wotsch eis an Grind" nach Leif Sundbergs "Ein Fremder" die erste Produktion für Jugendliche. Seit 1996 ist das Ziel, generationenübergreifendes Theater zu machen. Künstlerisch orientierte sich das T. unter anderem an der seit Mitte der siebziger Jahre entstandenen Kinder- und Jugendtheaterliteratur; gezeigt wurden beispielsweise 1987 Ben Campbell/F. K. Waechters "Ausflug mit Clowns", 1989 Wilfrid Grotes "Die Lieblingsspeise des Tigers", 1990 Eva Ströms "Das Krötenaquarium", 1996 Ignace Cornelissens "Heinrich der Fünfte" frei nach Shakespeare, 1997 Horst Hawemanns "Haha, der letzte Erzähler" in Koproduktion mit dem Berliner Carrousel Theater an der Parkaue (Regie beide: Diaz) und 2002 Antonio Viganos "Schneeweiss" (Regie: Vigano) in Koproduktion mit dem →Theater Tuchlaube in Aarau, dem →Schlachthaus Theater in Bern, der Fachstelle Schule & Kultur der Bildungsdirektion des Kantons Zürich und dem Festival →Blickfelder. Das Theater konfrontierte die Jugendlichen jedoch auch mit Stücken wie beispielsweise 1988 Fernando Arrabals "Picknick im Felde", 1999 →Max Frischs "Andorra" (Regie: Diaz) in Koproduktion mit dem Carrousel Theater an der Parkaue und 2003 Jelineks "Ein Sportstück" (Regie: →Stephan Müller) in Koproduktion mit dem →Schauspielhaus Zürich im Rahmen der Zürcher Festspiele. Zudem vergab das Kinder- und Jugendheater Stückaufträge und produzierte Uraufführungen, unter anderem 1997 Ingeborg von Zadows "Der vergessene Tag", 1998 Suzanne van Lohuizens "Was ist los mit Daniela Dunioz?"(Regie beide: Diaz), das 1999 zum Deutschen Kinder- und Jugendtheatertreffen in Berlin eingeladen wurde, und 1999 →Paul Steinmanns "3 For U oder Die drei Musketiere", und erarbeitete Ensembleproduktionen, zum Beispiel 1995 "Die Nacht des Orpheus" und 2000 "Last Minute – Szenen zu Sterben und Tod" (Regie: →Volker Hesse) in Zusammenarbeit mit dem Stapferhaus Lenzburg. Seit 1992 beteiligt sich das T. am Festival Blickfelder. Das T. wird vom Kanton und der Stadt Zürich subventioniert. Verbandsmitglied: →ASTEJ, →KTV, →SBV, European Network of Art Organisations for Children and Young People (EUnetART).

Spielstätte

Gessnerallee 9, 11, 13, 8001 Zürich. Ehemalige Militärreithalle und Stallungen. Umbau zum Theater (durch Ueli Schweizer und Walter Hunziker). Eröffnung: Gessnerallee 13 am 27.10.1995. Räume: Bühne A: Platzkapazität: variabel, rund 300 Plätze, Theaterraum: 12,1 m breit, 6,7 m hoch, 22,4 m tief. Bühne B: Platzkapazität: variabel, rund 120 Plätze, Theaterraum: 14 m breit, 6,4 m hoch, 14,5 m tief. Probebühne: Platzkapazität: variabel, rund 50 Plätze, Theaterraum: 10 m breit, 3,5 m hoch, 14 m lang. Podium: Platzkapazität: variabel, rund 80 Plätze, Theaterraum: 12 m breit, 14 m tief.



Autor: Peter Arnold/Sara Baumann



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Arnold, Peter/Baumann, Sara: Theater an der Sihl, Zürich ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1843–1844, mit Abbildung auf S. 1943.