Walter Boris Fischer

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* 31.1.1940 Basel. Vater des Komponisten und Arrangeurs Thomas F.

Privater Schauspielunterricht, Studium der Theaterwissenschaft, Germanistik, Philosophie und Psychologie an der Universität Wien, Abschluss mit Promotion. Unter dem Namen Walter F. spielte er noch vor dem Studium 1961/62 bei der →Schauspieltruppe Zürich den Schreiber in Shakespeares "Viel Lärm um nichts". In Wien war F. als Regieassistent am Volkstheater und als Regisseur an Kleintheatern tätig. 1967–72 war er als Dramaturg, Regisseur und Schauspieler am →Stadttheater St. Gallen (Direktion: →Christoph Groszer) engagiert. Dort inszenierte er 1968 Goethes "Urfaust", 1969 Weiss’ "Gesang vom Lusitanischen Popanz" und →Friedrich Dürrenmatts "Play Strindberg", zu dem er auch das Bühnenbild schuf, 1970 Jewgenij Schwarz’ "Der Schatten", →Bertolt Brecht/Weills Ballett "Die sieben Todsünden der Kleinbürger" (musikalische Leitung: →Max Lang), 1971 Becketts "Warten auf Godot" und →Adolf Muschgs "Rumpelstilz" sowie 1972 Ravel/Franc-Nohains musikalische Komödie "Die spanische Stunde" (musikalische Leitung: →Armin Jordan). Zudem spielte er dort kleinere Rollen, darunter 1967 den Magister in «Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" (Regie: →Siegfried Meisner), 1968 den Major in Siegfried Lenz’ "Zeit der Schuldlosen" und den Ausrufer in →Max Frischs "Die chinesische Mauer". 1972–77 wirkte F. als Chefdramaturg und Regisseur (1972–76 auch Leiter des Schauspiels) am →Stadttheater Bern, Bern BE unter der Direktion von →Walter Oberer, wo er 1973 die Schweizer Erstaufführung von Schwarz’ "Der Drache", 1974 die Uraufführung von →Walter Matthias Diggelmanns "Menschen glücklich machen oder Das Spiel von Arm und Reich" und 1975 Brecht/Eislers "Schweyk im Zweiten Weltkrieg" inszenierte. Danach wirkte F. vermehrt in den Bereichen Kulturvermittlung und Kulturmanagement: 1975–86 war er Mitglied der Kleintheaterkommission der Stadt Bern und 1977–98 Leiter des Ressorts Kulturelle Aktionen des Migros-Genossenschafts-Bunds, dessen Aufgabe die Veranstaltung und Vermittlung kultureller Anlässe (Theater, Musik und Ausstellungen) war. In diesem Rahmen initiierte er 1988 das internationale Tanzfestival →Steps, das er bis 1998 leitete. Dessen Profil prägte er durch die Einladung internationaler Gruppen wie die Martha Graham Dance Company, The Parsons Dance Company (beide USA), das Nederlands Dans Theater, die Grupo Corpo (Brasilien), das Cullberg Ballett (Schweden), die Jorma Uotinen Dance Company (Finnland), Johann Kresnik und Ismael Ivo sowie Reinhild Hoffmanns Kompanie (Deutschland). 1980–85 war F. in der Nachfolge von →Karl Gotthilf Kachler Präsident der →SGTK und in dieser Funktion Präsident der Jury des →Hans Reinhart-Rings sowie Mitglied des Stiftungsrats der →Schweizerischen Theatersammlung. 1991–95 präsidierte er als Nachfolger von →Felix Rellstab das →Centre Suisse ITI. 1987–90 hatte er einen Lehrauftrag für Theaterwissenschaft an der Universität Bern. Seit 1998 ist er als selbstständiger Kulturberater in Zürich tätig. Er arbeitet für Kulturstiftungen, entwickelt Kulturleitbilder für Kantone und Gemeinden und unterrichtet Kulturmanagement im Nachdiplomstudium an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern. F. verfasste die Bücher "Kommunikation und Marketing für Kulturprojekte" (2001) und "Kunst vor Management. Führung und Förderung von Kulturinstitutionen" (2004).



Autorin: Beate Schappach



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Beate, Schappach: Walter Boris Fischer, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 602–603.

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