Christoph Stratenwerth

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* 25.6.1952 Göttingen (D).

1962 Übersiedlung der Familie nach Basel. Bereits als Schüler betätigte sich S. als Bühnenarbeiter und Statist an den →Basler Theatern, etwa 1972 in Heiner Müllers "Macbeth" (Regie: →Hans Hollmann). 1973/74 war er dort Regieassistent, unter anderem bei Niels-Peter Rudolph, →Werner Düggelin und Hollmann, und 1974/75 an den Städtischen Bühnen Frankfurt am Main bei Peter Palitzsch und →Luc Bondy. Nach kurzem Studium der Germanistik und der Geschichte an der Universität Basel, begann er 1978 erneut an den Basler Theatern als Mitarbeiter und Regisseur der von →Erich Holliger geleiteten Montagabende, ab 1978/79 der ebenfalls von diesem geleiteten Theaterwerkstatt kleine Bühne. Dort erarbeitete er bis 1979, teilweise zusammen mit →Hansjörg Betschart, Jugendtheateraufführungen. Zu seinen ersten Regiearbeiten zählten 1978 das Projekt "Wäberuffschtand" (mit Gymnasiastinnen und Gymnasiasten) und "Bisch und blibsch e Dubel!" (nach Ulrich Gressieker/Reiner Lücker/Volker Ludwigs "Doof bleibt doof", mit Sekundarschülerinnen und ‑schülern). Ausserdem inszenierte S. 1979 in Koregie mit →Helmut Berger und Ingrid Hammer am Badischen Staatstheater Karlsruhe Peter Martin Lampels "Revolte im Erziehungshaus". Nach seiner Inszenierung von →Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen" 1979 (mit dem mittlerweile etablierten Jugendtheater der Basler Theater) lösten sich S. und weitere an der Produktion Beteiligte von den Basler Theatern und gründeten eine eigene freie und kollektiv geleitete Schauspielgruppe, das →Werktheater Basel. Zusammen mit anderen Kulturschaffenden sowie Vertreterinnen und Vertretern des Quartiers um die ehemalige Basler Kaserne schlossen sie sich im Frühjahr 1980 im Verein Kulturwerkstatt Kaserne zusammen, der seinerseits Mitglied der Interessengemeinschaft Kasernenareal (IKA) wurde und auf dessen Betreiben die →Kulturwerkstatt Kaserne im November 1980 als Produktionsort und Spielstätte eröffnet werden konnte. S. wurde Leiter des Werktheaters Basel und war 1980–83 zudem im Leitungsteam der Kulturwerkstatt Kaserne, wo das Werktheater damals produzierte und auftrat. Für diese freie Gruppe, die ihre Arbeit insbesondere an Kinder und Jugendliche richtete, diese zum Theaterspielen animierte und Nachbereitungen anbot, inszenierte S. mehrere Produktionen, beispielsweise 1981 "1919 – Tage der Bewegung, Zeiten der Erstarrung", 1982 Handkes "Das Mündel will Vormund sein", 1984 "Damit muss man leben" (zusammen mit der Inszenierung von Ulrich Bodamer "Wie der Tod" unter dem Titel "Trauma" gezeigt), 1985 "Faust. Ein Fragment" nach Goethe und 1987 "Die Pest" nach Camus. Danach zog sich S. aus der Leitung des Werktheaters, das sich wiederholt mit finanziellen Problemen konfrontiert sah, zurück. 1991–2000 amtete S. als Gesamtleiter des Theaterfestivals →Welt in Basel, das er mitbegründet hatte: 1991, 1993, 1996, 1999 und 2000 präsentierte er jeweils ein reichhaltiges Programm mit Gastspielen innovativer Theatergruppen aus verschiedensten Ländern und Kontexten. Ausserdem gelang es ihm, 1991–99 in Anbindung an das jeweilige Festival Studienwochen für Schulklassen durchzuführen (geleitet von Rolf Niederhauser) und damit wiederum das Phänomen Theater Kindern und Jugendlichen näher zu bringen. 1993–96 war S. zudem unter der Direktion von →Volker Hesse und →Stephan Müller fest als Dramaturg am →Theater Neumarkt in Zürich und anschliessend bis 1998 als Gast engagiert. 2000–02 konzipierte und realisierte er im Auftrag der Migros die Ausstellung "Strangers in Paradise" für die schweizerische Landesausstellung Expo.02, eine "Geisterbahnfahrt" im Einkaufswagen, während derer die Insassen mit verschiedenen Aspekten der kulturellen Identität der Schweiz konfrontiert wurden. 2004 gründete S. das Unternehmen teamstratenwerth, bestehend unter anderen aus Hanspeter Giuliani (Spezialist für neue Medien), Knut Jensen (Ton- und Musikkonzepte) und Christian Rösch (Filmregisseur und ‑produzent), das die audiovisuellen Produktionen für das Neue Mercedes-Benz Museum in Stuttgart (Eröffnung: 2006) entwirft und realisiert. Als Regisseur und Festivalleiter gab S. dem Kulturleben der Stadt Basel mit seinen Bemühungen um Jugendtheater und mit seinem Engagement für das Festival Welt in Basel entscheidende Impulse.



Autorin: Verena Stössinger



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Stössinger, Verena: Christoph Stratenwerth, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1763–1764.

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