Jörg Schneider

Aus Theaterlexikon
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* 7.2.1935 Zürich.

Schon während der Lehre als Eisenwarenhändler nahm S. Schauspielunterricht bei →Erwin Parker und Sprechunterricht bei →Ellen Widmann. 1955 Mitbegründer des Cabarets Äxgüsi in Zürich, 1957 erstes Engagement am →Stadttheater Zürich, ab 1958 Stückverträge am →Bernhard-Theater Zürich als jugendlicher Komiker. 1960 begann S.s Zusammenarbeit mit →Schaggi Streuli, in dessen Hör- und Fernsehspiel "Polizischt Wäckerli" er 1963 als Hügü-Vögeli nationale Bekanntheit erlangte. Für das →Theater am Hechtplatz Zürich erarbeitete er Dialektfassungen von Märchen der Gebrüder Grimm, in denen er auch mitspielte; dafür erhielt er 1973 den Ehrenpreis der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich. 1969–71 war S. fest an der Städtischen Bühne Heidelberg engagiert. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz spielte er vor allem Schwänke, die von →Eynar Grabowsky für das Bernhard-Theater produziert und 200–300 Mal in der ganzen Schweiz gespielt wurden, darunter Arnold/Bachs "Der keusche Lebemann" sowie S.s. Dialektbearbeitungen von Michel Lenglineys "Der Pantoffelheld", Michel Andrés "Der fidele Kasimir" und Dave Freemans "Fünf im Doppelzimmer". Für die Rolle des Taxichauffeurs in seiner eigenen Bearbeitung von Ray Cooneys "Liebe macht erfinderisch" erhielt S. 1985 den Prix Bernhard. Häufigster Partner war über viele Jahre →Paul Bühlmann, häufigste Partnerin →Ines Torelli. In den neunziger Jahren trat S. vorwiegend zusammen mit →Erich Vock in mehreren mit diesem zusammen auch selbst produzierten Schwänken und Boulevardkomödien auf. S. liess sich aber auch immer wieder in klassischen Komödienrollen und in ernsten Rollen fordern, so spielte er 1972 am →Theater für den Kanton Zürich Zettel in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" und 1980 an der Seite von →Ruedi Walter im Depot Tiefenbrunnen in Zürich Wladimir in Becketts "Warte uf de Godot" (Dialektfassung: →Urs Widmer, Regie: Max Peter Ammann). Bei den Festspielen Bad Hersfeld erhielt S. 1985 für seine Darstellung des Sancho Pansa in Dale Wassermans Musical "Der Mann von La Mancha" den Bad Hersfeld-Preis. Er verkörperte die Titelrolle in Molières "Der eingebildete Kranke" (→Atelier-Theater Bern 1991, Regie: →Michael Wedekind), Direktor Gross in Vaclav Havels "D’ Benachrichtigung" (→Schauspielhaus Zürich 1992, Dialektfassung und Regie: →Urs Bircher), Zettel in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" und den Narren in dessen "Was ihr wollt" (diverse Freilichtaufführungen in der Schweiz, 1993 beziehungsweise 1994), die Titelrolle in Thomas Hostettlers Dialektbearbeitung von Millers "Der Tod des Handlungsreisenden" (→Theater Kanton Zürich 1999). S., der auch durch diverse Film- und Fernsehrollen – darunter 1984 die Rolle des Küchenchefs Koni Frei in der Schweizer Fernsehserie "Motel"– grosse Popularität erlangte, ist einer der beliebtesten Schauspieler der Deutschschweizer Unterhaltungsszene in Schwank und Boulevardtheater (mit bis zu 300 Auftritten pro Jahr) und ein Komödiant mit ansteckender Spielfreude. Sehr bekannt wurde S. auch durch seine Kasperli-, Pumuckl- und Märchen-Hörspiele auf Schallplatten und Kassetten.

Auszeichnungen

  • 1995 Prix Walo.


Autorin: Judith Niethammer



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Niethammer, Judith: Jörg Schneider, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1623–1624, mit Abbildung auf S. 1624.

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