Schaggi Streuli

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* 4.7.1899 Bauma ZH, † 3.11.1980 Bauma ZH, eigentlich Emil Kägi.

Nach der kaufmännischen Lehre wurde S. Angestellter in der Wertschriftenabteilung einer Bank. Nebenbei schrieb er kleine Theaterstücke und Sketches für Vereinstheater und inszenierte für den Dramatischen Verein Höngg. 1936 konnte er am →Corso-Theater Zürich als Polizist in →Jakob Bührers "Das Volk der Hirten" einspringen. Am 7.5.1937 wurde durch die von →Werner Johannes Guggenheim gegründete Schweizerische Volksbühne sein noch unter dem Namen Emil Kägi verfasstes Kindermärchen "De Geisspeter uf der Zauberalp" uraufgeführt, inszeniert von →Ursula von Wiese mit →Margrit Rainer, →Alfred Lohner, →Sigfrit Steiner und anderen. Kägi spielte als Gastschauspieler bei dieser Wanderbühne sowie in den Ensembles von →Fredy Scheim und →Rudolf Bernhard, sein Filmdebüt gab er 1939 in "Füsilier Wipf". Ab 1940 spielte er an der →Schweizer Soldaten-Bühne "Bärentatze" der Sektion "Heer und Haus", nun unter dem Namen Jakob S., daneben wirkte er in mehreren Schweizer Filmen mit. 1941–47 war S. Mitglied des →Cabarets Cornichon Zürich, 1955 trat er in dem Programm "Eichle isch Trumpf" des →Cabarets Federal auf, für das er bereits früher Texte verfasst hatte. S.s. siebzehnteilige Hörspielfolge "Polizischt Wäckerli" (1949–50, später weitere Folgen), zu der ihn der Radiopionier →Arthur Welti ermuntert hatte, wurde ein grosser Publikumserfolg; mit dem biederen Polizisten, den er selbst sprach, traf S. den Zeitgeist. Es folgten die Hörspielreihen "Landarzt Dr. Hilfiker" (1952) und "Oberstadtgass" (1955). Diese waren auch als Bühnenstücke auf Tournee (1950 "Polizischt Wäckerli", 1953 "Landarzt Dr. Hilfiker") und als Filme (1955 "Polizist Wäckerli", 1956 "Oberstadtgass", Regie jeweils: →Kurt Früh) erfolgreich. Ausserdem spielte S. mit seinem Tournee-Ensemble unter anderem 1951 sein Stück "De Kampf ums Rächt" und seine Bearbeitung von "Pinocchio", 1952 die wenig erfolgreiche Bühnenadaption des Hörspiels "Fritz Vollenweider", 1957 sein Dialektlustspiel "Sie und de Chef", 1960 "Familie Heiri Aeppli" (ebenfalls die Fortsetzung einer Hörspielreihe), 1967 seinen Schwank "Vater tut das nicht …!". 1957 wirkte S. als "dr Eidgenoss" beim Festspiel anlässlich der 2000-Jahr-Feier der Stadt Basel auf dem Münsterplatz mit. 1958 gastierte S. am →Schauspielhaus Zürich als Wirt in →Paul Hallers "Marie und Robert" (Regie: →Reinhart Spörri). Am →Hechtplatz-Theater Zürich spielte er 1965 und 1967 jeweils den König in →Jörg Schneiders Bearbeitung der Grimm-Märchen "Der Froschkönig" und "Der gestiefelte Kater". S. gastierte am →Sommertheater Winterthur und am →Theater für den Kanton Zürich (1974 als Onkel von Rothenturm in →Gerold Späths Dialekt-Bearbeitung von Marieluise Fleißers "Der starke Stamm" unter dem Titel "De schtarch Schtamm", Regie: Spörri). Am 22.10.1980 wurde ebenfalls durch das Theater für den Kanton Zürich und in Spörris Regie S.s Dialektbearbeitung von Hans Müller-Schlössers Lustspiel "Schneider Wibbel" in Hinwil uraufgeführt. Eine Tournee als Alp-Oehi in "Heidi", die →Eynar Grabowsky für ihn organisierte, wurde zum Misserfolg. S.s Lebensabend war gekennzeichnet durch eine tiefe Verbitterung, er fühlte sich vernachlässigt und lehnte die meisten jüngeren Regisseure ab.

Auszeichnungen

  • 1949 Zürcher Hörspielpreis.

Literatur

  • Flury, Philipp/Kaufmann, Peter: S. S., 1981.

Nachlass

  • Stadtarchiv Zürich.


Autor: Thomas Hostettler



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Hostettler, Thomas: Schaggi Streuli, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1768–1769.

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