Zürcher Märchenbühne, Zürich ZH

Aus Theaterlexikon
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Kindertheater ohne feste Spielstätte

Anfang der sechziger Jahre wurde die Z. vom Theaterproduzenten und -fotografen Edi Baur gegründet. Ziel war es, alljährlich in den Wintermonaten eine Märchenproduktion für Kinder herauszubringen. Die Eröffnungsproduktion war "Das tapfere Schneiderlein" (Premiere am 15.11.1961). In den ersten beiden Jahren hatte die Z. in Zürich Gastrecht im →Bernhard-Theater, seit 1963 ist das →Theater am Hechtplatz ihr Stammhaus. Die Märchen gab die Z. ausnahmslos in Mundart. Von Anfang an vermochte sie namhafte (Volks-)Schauspielerinnen und Schauspieler für die Aufführungen zu gewinnen, unter anderem →Vincenzo Biagi, →Paul Bühlmann, →Inigo Gallo, →Walter Andreas Müller, →Bella Neri, →Margrit Rainer, →Jörg Schneider, →Peter W. Staub, →Schaggi Streuli, →Ines Torelli, →Erich Vock und →Ruedi Walter. Als Regisseur wirkte bis in die achtziger Jahre regelmässig →Erwin Parker, danach führten unter anderem Gallo, Rupert Dubsky, →Alfred Bruggmann, Torelli, Schneider und Hubert Spiess Regie. Seit der Gründung bis zu seinem Tod 2003 wirkte der Bühnenbildner →Max Röthlisberger stilprägend bei der Z. Die Mundartadaptionen der Märchenstoffe – oft handelte es sich um Märchen der Brüder Grimm, beispielsweise "Rumpelstilzchen" (1963) und "Der Froschkönig" (1965) – stammten sehr oft von Schneider. Beliebte Märchenstoffe wurden wiederholt inszeniert, so unter anderem das Paradestück der Z., "Das tapfere Schneiderlein". 1992 zeigte die Z. erstmals ein Kindermusical: Otfried Preußlers "S’chli Gschpängscht" (Bearbeitung: Torelli, Musik: →Andres Joho). Im Frühjahr 1968 gründete Baur die Vereinigung "Zürcher Märchen- und Jugendbühne" mit dem Ziel, breitere Kreise für die Unterstützung des Kinder- und Jugendtheaters in Zürich zu motivieren und während des ganzen Jahres Theateraufführungen für Kinder und Jugendliche anzubieten, was allerdings nicht realisiert werden konnte. Die Z. ist bis heute ein privates Theater ohne Subventionen; einzelne Produktionen wurden von der Stadt Zürich unterstützt. Immer wieder hatte die Z. daher mit finanziellen Engpässen zu kämpfen, obwohl die Aufführungen – jeweils mittwoch-, samstag- und sonntagnachmittags – erfolgreich waren. 1966/67 zum Beispiel erreichte "Der gestiefelte Kater" in 44 Vorstellungen fast 11’000 Besucher, was einer Auslastung von rund 95 Prozent entsprach. 2002/03 erzielte die Z. mit "Die kleine Hexe" nach Preußler (Regie: Spiess) den bisher grössten Publikumserfolg und spielte in Zürich neunzig nahezu durchwegs ausverkaufte Vorstellungen. Das Z. gibt regelmässig Gastspiele, beispielsweise im →Theater Casino Zug und im Stadthofsaal Uster. 1986 übernahm Torelli die Leitung der Z. Seit 1994 wird sie von Vock und Spiess geleitet. Als wesentlichste Neuerung führten die beiden eine zweite Produktion pro Spielzeit ein: von 1998 an kam zum üblichen Wintermärchen ein Frühlingsstück hinzu. "E Wuche lang Samschtig" (Regie: Schneider), eine Mundartbearbeitung von Paul Maars "Eine Woche voller Samstage", machte den Anfang. Die traditionelle Ausrichtung der Z. wurde unter der neuen Leitung beibehalten.



Autor: Tobias Hoffmann-Allenspach



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Hoffmann-Allenspach, Tobias: Zürcher Märchenbühne, Zürich ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2161.