Voli Geiler

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* 18.11.1915 Winterthur ZH, † 11.11.1992 Zürich.

Ausbildung in Haute Couture in Zürich, daneben privater Schauspiel- und Gesangsunterricht sowie Tanzausbildung bei →Rudolf von Laban. Erste Auftritte 1935 und 1936 am →Sommertheater Winterthur und 1936 beim →Cabaret Bärentatze. Anschliessend Ausbildung in Haute Couture und Kosmetik in Paris. 1938 engagierte sie →Walter Lesch ans →Cabaret Cornichon, dem sie bis 1946 angehörte. Dort lernte sie ihren späteren Bühnenpartner →Walter Morath kennen. 1946/47 Tournee mit der Tanz- und Pantomimen-Truppe von →Trudi Schoop in Amerika. 1948 zusammen mit Werner Finck, Olga Gebhardt, →Karl Meier und anderen im einzigen Programm des Cabaretistischen Theaters Nebelhorn im Zürcher "Hirschen". Im gleichen Jahr erster Auftritt mit Morath ("Programm für zwei") im Embassy in Zürich. Seitdem trat das Duo bis 1970 mit zahlreichen Programmen auf, darunter "A la carte" (1953), "Adam und Eva" (1954), "Dolce Vita" (1960), "European Rendez-vous" (1962), "Expo – Impo" (1963) und das Reprisenprogramm "Lachende Souvenirs" (1968/69). G./Morath, die in den fünfziger und sechziger Jahren zu den bedeutendsten Schweizer Kabarettisten gehörten, entwickelten einen eigenen Stil, der – über das literarisch-politische Kabarett hinausgehend – mit Elementen der Pantomime, Groteske, Show und des Spektakels arbeitete. Charakteristisch für G./Morath war insbesondere ihre grosse darstellerische Wandlungsfähigkeit; so parodierten sie in einem Programm bis zu vierzig verschiedene Figuren. Die Texte stammten unter anderen von →Charles Ferdinand Vaucher, →Fridolin Tschudi, →Werner Wollenberger und Roman Brodmann, die Kompositionen von →Werner Kruse, →Walter Baumgartner, Lutz Harteck, →Tibor Kasics, die teilweise auch als Begleiter wirkten; Regie führte unter anderen →Ettore Cella. Die Sprachvirtuosität der beiden sowie eine allgemein verständliche Komik ermöglichten auch Auftritte ausserhalb des deutschsprachigen Raums. So machten G./Morath ab 1950 nicht nur Tourneen durch die Bundesrepublik Deutschland und Österreich, sondern auch durch Holland, England, Israel, die Türkei sowie Nord- und Südamerika. Eine der bekanntesten Nummern G.s war "Anna, den Tee!"("Memoiren"), in der eine alternde ungarische Adlige von ihren verflossenen Liebhabern erzählt. G. vereinigte "raffinierte Charakterisierungskunst mit effektbewusster Pointensicherheit, die Befähigung zu unwiderstehlicher Vulgarität mit Spürsinn für doppelbödige Nuancen" (→Martin Etter). Seit Anfang der sechziger Jahre wirkte sie als freischaffende Schauspielerin, meist in Musicals und Boulevardkomödien, etwa an der →Komödie Basel (1962 Katharina Petkoff in Shaws "Helden"), am →Opernhaus Zürich (1965 Öffentliche Meinung in Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt") sowie regelmässig am →Bernhard-Theater Zürich (unter anderem 1967 Schwester Lisbeth in Barillet/Grédys "Die Kaktusblüte", 1968 Doris in Ayckbourns "Verrückte Wahrheiten", jeweils mit Morath, 1977 Haushälterin Berthe in Marc Camolettis "Boeing, Boeing", 1990 Mrs. Higgins in Loewe/Lerners "My Fair Lady") und auf Tournee, etwa als Jente in Bocks "Anatevka" sowie mit der →Schauspieltruppe Zürich (1973 Wahrsagerin in Wilders "Wir sind noch einmal davongekommen", 1975 Rhodippe in Aristophanes’ "Lysistrata"). Zu ihren letzten grossen Erfolgen zählten 1986 Claire Zachanassian in der Freilichtproduktion von →Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame" auf dem Bahnhofplatz im bernischen Ins (Regie: Lukas Leuenberger) und 1988 Duchesse de Crakentorp (mit einem eigens für G. verfassten Text von →Alfred Bruggmann) in Donizettis "La Fille du régiment" am Opernhaus Zürich. Diverse Filmrollen, unter anderem Phyllis Knightsbridge-Littelton in →Kurt Frühs "Der Teufel hat gut lachen" (1960), in →Daniel Schmids "Heute nacht oder nie" (1972) und als Madam in Rainer Werner Fassbinders "Despair" (1978).

Literatur

  • Jäggi, Willy (Hg.): V. G./Walter Morath. 2 Schauspieler – 1000 Gesichter, 1960.


Autor/in: Stefan Koslowski/Tanja Stenzl



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Koslowski, Stefan/Stenzl, Tanja: Voli Geiler, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 691–692.

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