Gerd Leo Kuck

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* 16.4.1943 Wuppertal (D).

1963–66 Regie- und Dramaturgieassistent am Badischen Staatstheater Karlsruhe, dort 1966 erste Regiearbeit, 1966–69 leitender Dramaturg und Regisseur am Ulmer Theater, 1969–71 Dramaturg und Regisseur am Theater am Turm in Frankfurt am Main, 1971/72 Dramaturg an den Württembergischen Staatstheatern Stuttgart, 1972–75 leitender Dramaturg und Regisseur am Staatstheater Kassel (Intendant: →Peter Löffler), 1975–86 Dramaturg und Regisseur am Burgtheater Wien (ab 1976 unter der Direktion von →Achim Benning), 1986–88 Dramaturg und Regisseur am Staatstheater Stuttgart, dort 1989–92 stellvertretender Schauspieldirektor. 1992–99 war K. künstlerischer Direktor des →Schauspielhauses Zürich. Es gelang ihm – in einer Doppeldirektion mit Verwaltungsdirektor Marcel Müller –, unter anderem durch die Reorganisation der Betriebsabläufe, die Verkleinerung des Ensembles sowie die Erhöhung der Auslastung das Schauspielhaus aus einer finanziellen Krise in die schwarzen Zahlen zu führen und strukturell wie ökonomisch auf ein solides Fundament zu stellen. Der Verbesserung der Betriebsabläufe diente auch das unter K.s und Müllers Direktion initiierte Kultur- und Werkzentrum Schiffbau (Eröffnung 2000), das die bisher an verschiedenen Orten angemieteten Probebühnen, Werkstätten sowie die Kellerbühne in einem Gebäudekomplex zusammenfasste. Künstlerisch prägend waren für K.s Direktion vor allem die Regisseure →Werner Düggelin, Dieter Giesing, Daniel Karasek, →Uwe Eric Laufenberg und →David Mouchtar-Samorai, die regelmässig am Schauspielhaus inszenierten. Zum Ensemble gehörten unter anderen →Katharina Abt, →Katharina von Bock, Ludwig Boettger, →Jürgen Cziesla, →Anne-Marie Dermon, →Andreas Krämer, →Anne-Marie Kuster, Tilo Nest und →Hans Dieter Zeidler. Das Ensemble wurde häufig durch Gäste ergänzt, etwa Joachim Bissmeier, →Jessica Früh, →Mathias Gnädinger, →André Jung, Burghart Klauss­ner, Dörte Lyssewski, Leslie Malton, Matthias Scheuring, →Norbert Schwientek, Ernst Stötzner, Felix von Manteuffel und →Nikola Weisse. K.s Spielplan war geprägt durch zeitgenössische Dramatik und zahlreiche Erst- und Uraufführungen: So fanden während seiner Direktionszeit rund zwanzig Uraufführungen statt, etwa von Klaus Pohls "Selbstmord in Madrid" (1993, Regie: Sanda Weigl, Koproduktion mit dem Thalia-Theater Hamburg), Werner Schwabs "Der reizende Reigen nach dem Reigen des reizenden Herrn Arthur Schnitzler" (1996, Regie: Rüdiger Burbach), →Lukas B. Suters "Tanz auf dem Vulkan" (1997, Regie: Jasmine Hoch), →Thomas Hürlimanns "Das Lied der Heimat" (1998, Regie: Düggelin) und Botho Strauß’ "Der Kuss des Vergessens" (1998, Regie: Matthias Hartmann, eingeladen zum Berliner Theatertreffen). Zur deutschsprachigen Erstaufführung gelangten unter anderem Tom Stoppards "Arkadien" (1993, Regie: Peter Wood), David Mamets "Das Kryptogramm" (1995, Regie: Giesing), Patrick Marbers "Poker" (1996, Regie: Nicolai Sykosch), Eric-Emmanuel Schmitts "Der Freigeist" (1997, Regie: →Felix Benesch) und Martin McDonaghs "Der Krüppel von Inishmaan" (1997, Regie: Harald Clemen). Weitere wichtige Inszenierungen unter K.s Direktion waren etwa 1992 Botho Strauß’ "Kalldewey, Farce" (Regie: Giesing), 1993 Schillers "Die Räuber" (Regie: Laufenberg) und Claudels "Der Tausch" (Regie: Düggelin), 1994 Mamets "Oleanna" (Regie: Jens-Daniel Herzog, eingeladen zum Berliner Theatertreffen), Hermann Brochs "Die Entsühnung" (Regie: Karasek) und Becketts "Endspiel" (Regie: Düggelin), 1995 →Bertolt Brecht/Weills "Die Dreigroschenoper" (Regie: →Herbert Wernicke), Goethes "Torquato Tasso" (Regie: Benjamin Korn) und Hürlimanns "Der Franzos im Ybrig", 1997 Shakespeares "Hamlet" (Regie: Laufenberg), Ingmar Bergmans "Szenen einer Ehe" (Regie: Giesing), Molières "Der Menschenfeind" (Regie: Düggelin) und Musils "Die Schwärmer" (Regie: Giesing, ausgezeichnet mit dem Bayerischen Theaterpreis) sowie 1998 Brechts "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" (Regie: →Benno Besson). K. selbst inszenierte unter anderem die Schweizer Erstaufführungen von Yasmina Rezas "Kunst" (1996) sowie Marbers "Hautnah" (1998). Ab 1999 war K. freischaffend als Regisseur tätig, unter anderem am Stadttheater Hildesheim (2000 Oscar Straus’ "Der tapfere Soldat" unter dem Titel "Der Schokoladesoldat") und am Theater der Jugend in Wien (2001 österreichische Erstaufführung von Robert Schneiders "Komödie vom deutschen Heimweh"). Seit 2001 ist er Generalintendant der Wuppertaler Bühnen. Dort inszenierte er 2002 Becketts "Glückliche Tage", Rainer Lewandowskis "Heute weder Hamlet" und Rezas "Kunst" sowie 2003 die Uraufführung von Kurt Schwertsiks Oper "Katzelmacher" nach Fassbinders gleichnamigem Theaterstück. 1967–75 Lehrauftrag an der Universität Frankfurt am Main für Dramaturgie, seit 1979 Lehrauftrag an der Universität Wien für "praktische Dramaturgie", 1994/95 Gastprofessor für Dramaturgie am Max-Reinhardt-Seminar in Wien.

Literatur

  • Kröger, Ute/Exinger, Peter: "In welchen Zeiten leben wir!"Das Schauspielhaus Zürich 1938–1998, 1998.
  • Was bleibt. Ein Rückblick. Schauspielhaus Zürich 1992–1999, 1999 [Dokumentation].


Autor: Peter Exinger



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Exinger, Peter: Gerd Leo Kuck, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1047–1048.

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