Robert Furrer

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* 16.11.1904 Zürich, † 12.11.1949 Zürich (Suizid). Vater der Schauspielerin und Kabarettistin →Vera F.

Wanderjahre als Arbeiter, autodidaktische Auseinandersetzung mit der Malerei, werbegrafische Arbeiten. Kunststudien in Dessau, Stuttgart, Brüssel (1928) und in der Sowjetunion (1933). Nach einem längeren Frankreichaufenthalt wurde F. 1936 zunächst Bühnenbildassistent von →Teo Otto und 1938 fest verpflichteter Bühnenbildner am →Schauspielhaus Zürich. Dort realisierte er bis 1946 rund siebzig Ausstattungen, wiederholt in Zusammenarbeit mit den Regisseuren →Wolfgang Heinz, →Kurt Horwitz, →Leopold Lindtberg, →Karl Paryla, →Franz Schnyder, →Leonard Steckel und →Oskar Wälterlin. Seinen ersten grossen Erfolg feierte er 1938 anlässlich der deutschsprachigen Erstaufführung von →Alfred Gehris "Sechste Etage" mit einem Bühnenbild, das die Pariser Mietskasernen glänzend traf. Am Schauspielhaus Zürich gestaltete F. unter anderem das Bühnenbild zu den Uraufführungen von →Georg Kaisers "Der Soldat Tanaka" (1940), →Hermann Kessers "Professor Intermann" (1942), →Kurt Guggenheims "Der sterbende Schwan" (1943) und →Hans Wilhelm Kellers "Camping" (1944). F. stattete mehrere Klassiker der dramatischen Weltliteratur aus wie Lessings "Minna von Barnhelm" (1938), Schillers "Wilhelm Tell" (1939) und dessen "Räuber" (1942), Goethes "Iphigenie auf Tauris" (1941) und Shakespeares "Timon von Athen" (1943) sowie zahlreiche Stücke des damaligen Repertoires, beispielsweise Shaws "Frau Warrens Gewerbe" (1938), Ibsens "Die Wildente" und Axel Breidahls "Stiftsdamen" (beide 1939), Raimunds "Der Bauer als Millionär oder Das Mädchen aus der Feenwelt" (1940, Ausstattung zusammen mit Otto), →Curt Goetz’ "Ingeborg" und Hauptmanns "Fuhrmann Henschel" (beide 1941), Schnitzlers "Liebelei" (1942), Tolstojs "Und das Licht leuchtet in der Finsternis", Steinbecks "Der Mond ging unter", Gehris "Neues aus der 6. Etage" (alle 1943), →Cäsar von Arx’ "Land ohne Himmel" (1944), Hauptmanns "Rose Bernd", →Arnold H. Schwengelers "Rebell in der Arche" (beide 1945) und Kesselrings "Spitzenhäubchen und Arsenik" (1946). Als aktiver Sozialist gestaltete F. mehrere Bühnenbilder für die →Volksbühne Zürich, etwa zusammen mit →Wolfgang Roth für die Uraufführung des Chorwerks "Jemand" von Victor Halder (Pseudonym von →Tibor Kasics; Musik) und →Hans Sahl (Libretto) 1938 im Limmathaus Zürich, für die Uraufführung des Arbeiterfestspiels "Der neue Kolumbus" von →Albert Ehrismann (Koautor: →Kurt Früh, Musik: →Huldreich Georg Früh) 1939 in der Festhalle der Schweizerischen Landesausstellung und für die Schweizer Erstaufführung von →Bertolt Brechts "Die Mutter" an der 1.-Mai-Feier 1941 im Volkshaus Zürich. Daneben erstellte F. ab 1935 Ausstattungen für zahlreiche Filme der Praesens-Film AG in Zürich, so 1935–49 die Filmbauten in beinahe allen Filmen von Lindtberg, namentlich in "Füsilier Wipf" (1938), "Wachtmeister Studer" (1939), "Die missbrauchten Liebesbriefe" (1940), "Landammann Stauffacher" (1941), "Die letzte Chance" (1944–45), "Matto regiert" (1946–47) und zuletzt "Swiss Tour" (1949). Ausserdem stattete F. die Filme "Wilder Urlaub" (1943, Regie: Schnyder), "Die Gezeichneten" (1947, Regie: Fred Zinnemann), "Nach dem Sturm" (1948, Regie: Gustav Ucicky) sowie mehrere Filme in Frankreich aus, darunter "Gibraltar" (1938, Regie: Fedor Ozep) und "Le Miroir" (1947, Regie: Raymond Lamy). In den letzten Jahren vor seinem Tod führte F. in Zürich ein Studio für Dekor, Bühnenbild und Filmbau.



Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Robert Furrer, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 661–662.

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