Schweizer Soldaten-Bühne «Bärentatze», Bern BE

Aus Theaterlexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ensemble ohne eigene Spielstätte

Seit mindestens 1936 fanden unter dem Namen Bärentatze (später Bärenhöhle) im "Café Schweizerbund" an der Länggassstrasse 42 in Bern Kabarettgastspiele statt, unter anderem des →Cabarets Cornichon und des →Resslirytti. Im Herbst 1936 trat am selben Ort ebenfalls unter dem Namen Bärentatze ein von Hans Kaiser und →Kurt Früh gegründetes Kabarettensemble erstmals auf. Im ersten Programm wirkten unter anderen →Alfred Rasser, Sybille Schloss, Salomé Kestenholz, →Voli Geiler und Igor Pahlen mit, Letzterer führte auch Regie. Die Texte stammten teilweise von Früh, die Musik komponierte →Werner Kruse. Als Klavierbegleiter wirkte →Rolf Liebermann. Bis 1938 zeigte das Ensemble mit wechselnden Beteiligten mehrere Programme. Nach einjähriger Pause erhielt es (vermutlich auf Initiative von Kaiser) eine gänzlich neue Ausrichtung: Als Soldatenbühne reiste es (unter der offiziellen Bezeichnung "Schweizer Soldaten-Bühne ‹Bärentatze›") ab Januar 1940 zur Unterhaltung der Dienst leistenden Truppen durch die Schweiz. Die Soldatenbühne war der Sektion "Heer und Haus" des Armeestabs unterstellt; die Auftritte wurden den Mitgliedern als Aktivdienst angerechnet. Ab 1942 stand die S. – wie ab 1943 auch das Nachwuchsensemble →Tribüne Bern/Zürich – unter der Schirmherrschaft der neu gegründeten Genossenschaft "Liga zur Förderung von Bühnenkünstlern" (Präsident: Kaiser). Diese bezweckte – neben den "kostenlosen Gastspielen bei unseren im Felde stehenden Soldaten"– «die Zusammenstellung von künstlerischen Bühnen­ensembles, die Organisation von Vorstellungen und Tourneen» sowie die "geistige und wirtschaftliche Entwicklung der Bühnenkünstler unter spezieller Berücksichtigung des Künstler-Nachwuchses" (Statuten). Die S. spielte leichte Unterhaltung, so etwa Dialektschwänke und ‑komödien (1941 Uraufführung von →Jakob Steblers "Krawall im Stall", 1943/44 Jürg Stalders Soldatenlustspiel "5 Kamerade", 1944 Rudolf Egers "Glück im Unglück" und Steblers "Streik im Narrenhus") und bestritt bunte Abende. Während des Zweiten Weltkriegs brachte die S. es auf über 1300 Vorstellungen, zu einem kleineren Teil auch vor zivilem Publikum, etwa im Saal des Restaurants "Gambrinus" in Basel, im Corso-Theater in Bern sowie im →Corso-Theater und →Theater am Neumarkt in Zürich. Mitwirkende ab 1939 waren unter anderen als Tourneeleiter Max Ernst, als Regisseure →Werner Kraut und →Robert Trösch, als Musiker und Kapellmeister Liebermann, →Nico Kaufmann und Peter Haas sowie als Darstellerinnen und Darsteller Adolf Blaser, →Otto Dornbierer, Enzo Ertini, →Stephanie Glaser, →Grazita Hettinger, →Oskar Hoby, Alfred Lucca, Werner Lüthi, Rico Senn, →Schaggi Streuli und →Heddy Maria Wettstein. Nach dem Kriegsende sollte die S. zunächst als Wandertruppe von der Liga weitergeführt werden, im Dezember 1945 übernahm die Berner Genossenschaft für Theaterunternehmungen "Arbada" die S. Es fanden jedoch keine weiteren Aufführungen mehr statt.



Autoren: Hans-Ueli von Allmen/Stefan Koslowski



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Von Allmen, Hans-Ueli/Koslowski, Stefan: Schweizer Soldaten-Bühne "Bärentatze", Bern BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1661, mit Abbildung auf S. 1661.