Ekkehard Kohlund

Aus Theaterlexikon
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* 3.4.1887 Freiburg im Breisgau (D), † 29.12.1974 Rubigen BE. Sohn des Malers Fritz K. ∞ I. Anna Helene Theiss (unter dem Namen Helene K. als Schauspielerin tätig). Vater des Schauspielers und Regisseurs →Erwin K., Grossvater des Schauspielers und Regisseurs →Christian K. und der Regisseurin und Schauspielerin →Franziska K.

K., der zunächst Malerei an der Kunstakademie in Freiburg im Breisgau studiert hatte, debütierte als Schauspieler 1906 am Volkstheater Nürnberg, wo er bis 1908 verpflichtet war. 1908/09 war er für das Fach der "Heldenväter" an den →Stadttheatern Solothurn und Biel engagiert, 1909/10 am Stadttheater Oppeln, 1911/12 als Schauspieler und Regisseur am Stadttheater Zerbst, 1912–14 als Schauspieler am Stadttheater Heilbronn, 1914/15 am Stadttheater Dortmund. 1915 wurde K. von Direktor →Albert Kehm als "Bühnenbildner mit schauspielerischen Aufgaben" ans →Stadttheater Bern verpflichtet. Vor allem in den Jahren vor 1939 schuf er zahlreiche Bühnenbilder, darunter 1923 zu Max von Schillings’ "Mona Lisa" und zu →Richard Wagners "Parsifal" (Regie: Karl Ludwig Peppler), 1929 zur Uraufführung von →Jakob Bührers "Die Pfahlbauer", 1930/31 zu einem Shakespeare-Zyklus ("Hamlet", "Der Kaufmann von Venedig", "Macbeth"), 1931 zur Uraufführung von →Albert Jakob Weltis "Servet in Genf", 1931/32 zu einem Wagner-Zyklus, 1932/33 zu einem Verdi-Zyklus ("Aida", "Die sizilianische Vesper", "La Traviata", "Don Carlos"), 1932 zur Uraufführung von →Jakob Rudolf Weltis "Fahnen über Doxat", 1935 zur Uraufführung von →John Knittels "Protektorat" (Regie: →Hans Zimmermann) und 1937 zur Uraufführung von Knittels "Hochfinanz" (Regie: →Fritz Jeßner). In den fast vier Jahrzehnten seines Engagements spielte K. zahlreiche, zunächst kleinere Rollen und wechselte schliesslich ins Charakterfach: So spielte er 1942 Graf Moor in Schillers "Die Räuber" und die Titelrolle in Molières "Der Geizige" (Regie jeweils: →Marc Doswald), 1943 Oberst Larsen in Steinbecks "Der Mond ging unter" (Regie: →Werner Kraut), 1943 Riccaut in Lessings "Minna von Barnhelm", 1944 Mephisto in Goethes "Faust I", 1945 Malvolio in Shakespeares "Was ihr wollt", 1946 die Titelrolle in Schillers "Wallensteins Tod" und Striese in Schönthans "Der Raub der Sabinerinnen" (Regie jeweils: →Paul Kalbeck), 1952 die Titelrollen in →Carl Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick" (Regie: Doswald) und Lessings "Nathan der Weise" (Regie: →Raoul Alster). Er inszenierte unter anderem das von ihm selbst zusammen mit Fred Stauffer verfasste Stück "Brüsseler Spitzen" (Uraufführung am 29.9.1924), 1947 →Cäsar von Arx’ "Der Verrat von Novara", 1951 Hofmannsthals "Der Tor und der Tod" und die Uraufführung von →Otto Zimmermanns "Thyl". Vom 1.1.1947 bis zum Ende der Spielzeit 1952/53 war K. als Nachfolger →Eugen Kellers Direktor des Stadttheaters Bern. Wesentliche Regisseure in dieser Zeit waren neben Kalbeck und Alster →Stephan Beinl, →Hans Lietzau und →Alfred Bock. Zum Ensemble gehörten zeitweise →Inge Borkh, →Hansy von Krauss, →Walter Lederer, →Elvira Schalcher, →Maria Schell, →Adolph Spalinger und →Rudi Wiechel, ausserdem verpflichtete K. unter anderem →Erich Aberle, →Peter Arens, →Georg Mark-Czimeg, →Eva-Maria Duhan, →Uli Eichenberger, →Stephanie Glaser, →Helga Kosta und →Elisabeth Teutenberg. K. erweiterte das Repertoire des Stadttheaters um zahlreiche englische und amerikanische Stücke, darunter Millers "Der Tod des Handlungsreisenden", Williams’ "Die Glasmenagerie" und Eliots "Die Cocktail Party", aber auch Werke von Anouilh ("Antigone") und García Lorca ("Bernarda Albas Haus"). Im Musiktheater ragten heraus: →Heinrich Sutermeisters "Raskolnikoff", Richard Strauss’ "Die Frau ohne Schatten", Bergs "Wozzeck" und Pfitzners "Palestrina" sowie ein Zyklus zu Verdis 50. Todestag mit prominenten Gästen. Nach dem Ende seiner Direktionszeit 1953 verliess K. das Stadttheater Bern und gastierte als Schauspieler unter anderem am →Stadttheater Luzern und am →Atelier-Theater Bern (unter anderem 1954 Adam in Kleists "Der zerbrochne Krug", Regie: Spalinger; 1960 Grossvater in Paul Osborns "Der Tod im Apfelbaum", Regie: Alster), vor allem aber widmete er sich der Malerei. 1938 spielte K. (neben seinem Sohn Erwin als Tony) die Rolle von Tonys Vater in August Kerns Film "Ein Abenteuer am Thunersee". 1942 veröffentlichte er den Anekdotenband "Die verrückte Kulisse".

Auszeichnungen

  • 1967 erhielt K. die eigens für ihn geschaffene Ehrennadel des Stadttheaters Bern.

Literatur

  • Nef, Albert: Fünfzig Jahre Berner Theater, 1956.

Nachlass

  • Teilnachlass in der Schweizerischen Theatersammlung, Bern.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Ekkehard Kohlund, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1013–1014.